
Kreteks - Von Kudus rund um die Welt
Text: Sebastian Zimmel / Fotos: beigestellt
Kreteks, diese einzigartig exotisch duftenden Gewürznelken-Zigaretten und Cigar-illos aus Indonesien, knistern beim Rau-chen so geheimnisvoll … Daher der lautmalende Name – Kretek. Von Kudus auf Zen-tral Java aus haben sie ihren Siegeszug um die Welt angetreten. Nach dem Ethnic Food kommt jetzt der Ethnic Smoke. Wie begann alles? Wie sieht es heute in einer Fabrik in Kudus aus?
Die meisten erfolgreichen Produkte haben eine Geschichte zu erzählen. Frankie Legawa, Djarums Export Manager für Schlüsselmärkte in Europa, erzählt sie. Die Geschichte der Kreteks beginnt im 19. Jahrhundert in der kleinen Stadt Kudus in Zentral-Java. Haji Jamhari rieb gern Nelkenöl auf seine Brust und genoss die Wärme, die es vermittelte, auf der Haut. Auf der Suche nach einem noch intensiveren Erlebnis mischte er Nelken mit Tabak und rauchte sie. Er hätte es sich nicht träumen lassen, dass dieser Geniestreich die Geburtsstunde der heute weltweit beliebten Kreteks sein würde. Die harmonische Kombination aus Nelken und Tabak wurde schnell beliebt. Ursprünglich wurde sie in Maisblätter gewickelt und als ‚Klobots’ geraucht. In den Regalen in Europa oder den USA sehen sie heute aus wie reguläre Zigaretten – und im Mutterland?
In der Fabrik Handgerollte (!) Nelkenzigaretten (Kreteks) bilden bis zu 50 Prozent des indonesischen Inlandsmarktes von geschätzten 230 Milliarden Stück im Jahr – maschingefertigte Kreteks 36 Prozent. Nur 14 Prozent sind ‘weisse’ Zigaretten, wie wir sie kennen. In Indonesien werden handgerollte Kreteks viel weniger besteuert als maschingefertigte. Die Handproduktion gibt unzähligen Menschen – vorwiegend Frauen -– Arbeit. So beschäftigt allein Djarum über 75.000 Personen. Ein Besucher aus dem Westen ist bei einem Fabriksbesuch überrascht über diese ungewöhnliche Koexistenz von zugleich traditionellen und modernen Fertigungsmethoden: Halle an Halle surren modernste Maschinen – der riesige Nebenraum, wo an langen Rolltischen hunderte Arbeiterinnen sitzen, ist erfüllt vom überwältigenden Duft von Nelken, hocharomatischen Tabaken und dem Lachen fröhlicher Frauen. Die Löhne sind für unsere Verhältnisse sehr bescheiden. Dennoch sind Kretek-Hersteller gesuchte Arbeitgeber – der Standard an Sozialleistungen ist hoch. Sport- und Kultursponsoring wird groß geschrieben. Handgerollte Kreteks haben meist keinen Filter – während maschingefertigte mit Filter versehen sind. Djarum garantiert, dass in jeder Kretek nur die frischesten Nelken und hocharomatische indonesische Tabake, Srintil genannt, verarbeitet werden. Wieselflink sind die Kretek Rollerinnen! Bis zu 10.000 Stück können sie an einem Arbeitstag rollen. Dazu brauchen sie nur eine kleine Rollhilfe und eine Schere, um die aus dem Zigarettenpapier hervorlugenden Blattspitzen abzuschneiden. Der Arbeitstag beginnt beim ersten Hahnenschrei (im Ramadan noch früher). Um 11 Uhr, wenn es richtig heiß wird, ist oft schon Feierabend – aber dann geht’s zum Markt. Die Familie will bekocht werden … Da die Rollerinnen oft die einzigen in der Familie sind, die Bares nach Hause bringen, sind sie entsprechend selbstbewusst, sozial angesehen und gelten als ‚gute Partie’. Die Arbeitsverhältnisse ähneln frappant denen in der europäischen Zigarrenindustrie vor 70 Jahren. Aus Indonesien kommen übrigens auch ausgezeichnete Zigarren und Cigarillos wie die Gold Seal Cigarillos, Djarum Spice Islands (mit Kretek Aroma) oder die hervorragenden hocharomatischen Dos Hermanos Longfiller.
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