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Chuck-Lev

Ein Tabakladen, älter als die Verfassung

Text: Tobias D. Höhn / Fotos: Tobias D. Höhn

Zwei Jahrzehnte nach der offiziellen Stadtgründung Chicagos, noch vier Jahre vor dem Sezessionskrieg, gründete der deutsche Emigrant Edward Hoffman einen kleinen Tabakshop in der Wabash Avenue. Das war 1857. Er wollte nur die besten Pfeifen, Zigarren und Tabake vertreiben – nicht bloß als Wiederverkäufer! Auch als Inhaber einer Manufaktur.    

Heute, 150 Jahre später, steht Chuck Levi, Nachfahre von Edward Hoffmann in fünfter Generation, in einem der ältesten Häuser der Stadt. Vor dem Geschäft, das jetzt Iwan Ries & Co. heißt, rattert im Minutentakt die Hochbahn entlang. Eine Fahrt damit ist für jeden Tourist ein Muss, ebenso wie für Pfeifenliebhaber ein Besuch bei Chuck Levi Pflicht ist. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen Söhnen betreibt er einen der größten Pfeifen- und Zigarrenläden in den Vereinigten Staaten. 15.000 Pfeifen lagern in dem weitläufigen Kontor, neue und Estates.
„Wir beliefern Pfeifensammler, Tabakliebhaber und Aficionados in der ganzen Welt, haben mehr Pfeifen als jeder andere im Land vorrätig,“ schwärmt Chuck voller Stolz. Rund 15 Prozent seines Umsatzes erzielt mittlerweile im Internet – Tendenz stark steigend. Doch auch Touristen sind gern gesehen. Einzige Voraussetzung: Sie müssen genug Zeit mitbringen, um die Dutzenden von Schubladen zu durchstöbern, oder sich von Chuck Levi und seinen Mitarbeitern auf der Suche nach der richtigen Pfeife beraten lassen.
In dem weitläufigen und bis zur Decke vollen Lager stapeln sich Raritäten: Japanische Tsuges finden sich ebenso darunter wie ausgewählte Stücke von Karl-Heinz Joura und Rainer Barbi, Dunhills, Italiener, amerikanische Pfeifenmacher wie Tim West und Toni Nielsen, ein in Amerika lebender Däne. Aber auch alte englische GBDs finden sich unter den Schätzen. Pfeifen, die seit den 1980er Jahren nicht mehr produziert werden und jedes Sammlerherz (auch solche mit kleinem Geldbeutel) höher schlagen lassen. Zu seinem diesjährigen Firmenjubiläum bietet Iwan Ries zwei limitierte Sondermodelle (gefertigt von Savinelli) an.
Besonderes Interesse weckt sicherlich „Amerikas größte Tabakauswahl“, wie Chuck sagt. Neben den weltweit gängigen Namen hat Iwan Ries zahllose landestypische Blends seiner Eigenmarke „Three Star“ im Sortiment, aromatisierte wie nicht-aromatisierte und Flakes. Die meisten sind mit Cumarin versetzt und daher auffallend sanft im Geschmack – Zungenbrand ausgeschlossen! Und anders als in Deutschland, wo Cumarin als Inhaltsstoff übrigens nicht erlaubt ist, darf in den Staaten der Tabak vor Ort handgemischt und abgefüllt werden; ein Privileg, das in Deutschland nur Tabakmanufakturen gestattet ist.
Doch auch Zigarrenliebhaber kommen auf ihre Kosten. Neben den Standards hat Levi pünktlich zum Jubiläum „a cigar from the past perfected in the present“ wieder eingeführt. Die reiche und vollmundige Mischung aus Tabaken von Ecuador, Nicaragua, Peru und der Dominikanischen Republik ist eine Hommage an die erste Zigarrenmarke des Firmengründers aus dem Jahr 1861. Sie ist in den vier Formaten Churchill, Londsdale, Robusto und Short Perfecto erhältlich. Und wie damals ziert die Zigarrenkisten das Gemälde von William-Adolphe Bouguereau „Nymphs and Satyr“.

 
   
 





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