
Land der Möglichkeiten
Text: Samuel Spurr / Fotos: Samuel Spurr
Mit rund vier Millionen Einwohnern, einer breiten Mittelschicht und einer großen internationalen Gemeinschaft an Expatriaten zählt Singapur zu den Schlüsselmärkten Asiens.
Allerdings hemmen rigorose Tabakgesetze die Protagonisten der Tabakindustrie, die Kultur des Fine Smoke erfolgreich zu verbreiten. Wishnu Bintang, Regional General Manager bei Pacific Cigar Company, meint bei einem Glas Compass Box Scotch Whisky in der Wein- und Zigarrenbar Connoisseur Divan: „Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Anti-Tabakgesetze in Singapur sehr streng. Es ist etwa verboten, Events zu sponsern oder Zigarren in irgendeiner Weise zu bewerben.“ Das Werbeverbot ist extrem streng: Angestellte der Tabakläden Singapurs – einschließlich jener des Connoisseur Divan – dürfen mit potenziellen Kunden kein Gespräch beginnen oder ihnen Hilfe anbieten. „Was Zigarren betrifft, so müssen Kunden den ersten Schritt tun. Erst dann ist es dem Personal erlaubt, entsprechend darauf zu reagieren,“ erklärt Bintang. Und weil Beamte auch regelmäßig auf Mystery-Shopping-Tour gehen, muten solche Gesetze wahrhaft drakonisch an. Dennoch kann Bitang ihnen Positives abgewinnen: „Unser Personal ist keinesfalls aufdringlich, sondern geht auf individuelle Kundenwünsche ein.“ Zigarren haben in der Wirtschaft des Landes, die vom Finanz- und Produktionssektor klar dominiert wird, ihre übliche Statussymbol-Funktion. Und Zigarren aus Kuba, die die Pacific Cigar Company vertreibt, genießen beinahe Monopolstellung. Izham Isa, Geschäftsführer des Connoisseur Divan, der in der Nähe der Bar- und Restaurantmeile Clark Quay liegt, erinnert sich an ein lebendiges Treiben mit Cocktail-Abenden und Zigarren-Rollern, die das ganze Jahr Saison hatten. Solche Events sind aufgrund der Gesetzeslage heute nur noch rar, bedauert Isa. Sogar der Connoisseur Divan wird „nur“ als Bar beworben – trotz seines großen begehbaren Humidors und seiner Zigarren-Schließfächer für Gäste. Aber: ein beachtlicher Anteil des Zigarrenumsatzes wird in der Gastronomie erzielt. „Singapurs großer Dienstleistungssektor, Bars, Hotels und Restaurants eingeschlossen, kommt auf 35 Prozent des gesamten Umsatzes“, so Isa. Die beiden Managerinnen des Habanos-Shops in Singapurs Suntec City Mall, Helen Goh und Natalie Wong, die den sonst Männer-dominierten Markt mit femininer Expertise bereichern, bemerkten gleich nach Einführung der scharfen Werbeverbote ein verändertes Kaufverhalten. „Vor zehn Jahren verkauften sich Zigarrenkisten im Handumdrehen. Heute greifen die meisten Leute eher zu Einzelstücken oder 5er-Packungen, so Goh. Gemeinsam mit Wong ist sie auch Repräsentantin für Savinelli- und Peterson-Pfeifen in Singapur. Ihre Stammkunden wissen immer besser über Zigarren und Pfeifentabak Bescheid. „Wir bieten zwar nach wie vor unsere Standardmarken an, zusätzlich aber auch eine große Auswahl an ausgefallenen Zigarren und Tabaken, weil immer mehr Kunden experimentieren und verschiedene Tabaksorten ausprobieren möchten.“ Die sich schnell entwickelnde Wirtschaft und anhaltende internationale Investitionen tragen dazu bei, dass die Einwohner ebenso wie die Besucher Singapurs auch in Zukunft zu Qualitätszigarren greifen werden. Man sollte also keine Möglichkeit auslassen, sich davon selbst zu überzeugen.
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