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aufm Bosmans-Restaurant-

Quer durchs Tabak-"Veld"

Text: Samuel Spurr / Fotos: Samuel Spurr

Die Verschmelzung Afrikas mit Indien, Asien und Europa wird im neuen Südafrika deutlich. Samuel Spurr entdeckt eine blühende Zigarrenkultur, die die „Regenbogennation“ eint.

Die Geschichte der Zigarre in Südafrika ist so inspirierend wie die Geschichte Südafrikas selbst und die mögliche Zukunft des Landes. Ein buntes Völkergemisch und bedeutende Persönlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart prägen Südafrikas lebendige Zigarrenkultur. Und obwohl die Regierung, wie jene der westlichen Länder, einen Anti-Raucher-Kurs eingeschlagen hat, hegt sich da und dort Widerstand, der dem zukunftsreichen Markt neue Möglichkeiten eröffnet.

Zigarrenkultur in Jozie – Johannesburg
Colin Wesley, Besitzer von Wesley’s in Johannesburg, halten viele für einen der führenden Zigarrenexperten Südafrikas. Zu seinen sechs Franchise-Unternehmen im Land zählt auch ein Verkaufsbereich in einem Bücherladen in Dullstroom, dem südafrikanischen Mekka für Forellenfischer. Bei einem Kaffee in seinem Geschäft in Rosebank klagt er über die Tabakverbote und das Sterben der Einzelhändler, die ausschließlich mit Zigarren handelten und aufgrund der hohen Zölle mit drastischen Preisanhebungen zu kämpfen hatten. „Da sich die Zölle nach dem Gewicht richten, sind auch preiswerte Zigarren betroffen. Deshalb reduzierten Händler, die nicht nur Zigarren in ihrem Sortiment haben, ihr Angebot. Das kommt natürlich Fachhändlern wie mir entgegen, obwohl es vor fünf Jahren noch überall Zigarren gab“, meint Wesley. Trotz dieser Umstände spricht er vom Beginn einer neuen Ära: „Die Kunden von heute sind viel experimentierfreudiger als noch vor 15 Jahren. Es ist heute einfacher, alle möglichen Zigarren in verschiedensten Größen zu verkaufen. Das beweist, dass die Südafrikaner bereit sind, nicht nur zu traditionellen marcas wie Partagas oder Montecristo zu greifen.“
Als Geschäftsführer der Cigar Company erwarb Chris Harilaou vor kurzem das exklusive Verkaufsrecht für Habanos S.A. in Südafrika. Wie Colin Wesley sieht auch er den Beginn einer „neuen Ära“. Harilaou, der seinen Umsatz um 20% steigern konnte, führt dies auf folgende Faktoren zurück: „Der Absatz wird trotz der bestehenden Gesetze steigen. Das hängt vor allem mit der wachsenden Zahl schwarzafrikanischer Konsumenten und der wohlhabenden Mittelschicht zusammen. Raucher – egal welcher Hautfarbe – kaufen nach wie vor Premiumzigarren, weil sie neuen Produkte und attraktive Verpackungen ansprechen“, betont Harilaou. „Unser Markt ist klein und enthusiastisch und hat das Potenzial, weiter zu wachsen. Die Südafrikaner setzen viele Ideen und Know-how aus Europa um, die unseren Markt bereichern“. Er ergänzt, dass jährlich 600.000 Premiumzigarren in Südafrika verkauft werden. Etwa die Hälfte davon sind Zigarren aus Kuba.

Cape Town – Die Mutter aller Städte
Der V & A Waterfront, wo sich die Mitglieder des South Africa Cigar Club und der Whisky Academy regelmäßig unter einer Wolke aus blauem Dunst und Whisky-Dämpfen in der Bascule-Whisky Bar des Cape Grace Hotel einfinden, droht das Aus. Wie lange die Bascule-Bar aufgrund der momentan gültigen Gesetze noch ein Treffpunkt für Zigarrenfreunde bleibt, steht in den Sternen. Whisky-Sommerlier Soma Dennis arbeitet gern hier: „Es ist ein einzigartiger Ort für eine anspruchsvolle Klientel. Zu uns kommen Leute, für die Charme, Charakter und Spaß zu einem gelungen Abend zählen.“ Mit 440 Whiskys aus aller Welt und privaten Whisky-Schränken für Clubmitglieder ist die Bascule-Bar einer der Haupttreffpunkte für Aficionados in Cape Town.
Der Geschäftsführer von Swedish Match in Südafrika, Tony Garcia, der auf 20 Jahre Erfahrung im Tabakgroßhandel und –vertrieb zurückblickt, versteht die zunehmenden Probleme des südafrikanischen Zigarrenmarktes. Für ihn trägt die neue Mittelschicht, aber auch die Gastronomie für die Verbreitung des Fine Smoke in Südafrika bei. „Obwohl in Gastronomie-Betrieben an nur maximal 25% der Tische geraucht werden darf, bieten immer mehr erstklassige Restaurants Zigarren an und erweitern so ihr Service.“ Garcia, der mit Davidoff-Zigarren den meisten Umsatz macht und einen Trend zu aromatisierten Zigarren bemerkt, sieht die Zukunft positiv: „Der Markt beginnt sich zu stabilisieren und bietet viele Möglichkeiten.“
Sturk’s Tobacconists in der Shortmarket Street, das Cape Town schon seit 214 Jahren mit Tabakwaren versorgt, sollte man auf jeden Fall besuchen, wenn auch nur, um ein paar Worte mit dem sympathischen Abe Bravo zu wechseln, der seit 45 Jahren in der Branche und seit elf Jahren Geschäftsführer von Sturk’s ist. Auch er teilt die Ansicht Colin Wesleys: „Ende der 90er Jahre erlebten wir einen Boom. Aufgrund der Gesundheitswarnungen, Gesetze und Steuern ist dieser jedoch schon seit einiger Zeit abgeebbt. Für Tabak-Fachhändler ist das noch akzeptabel, aber für die anderen ist es schwierig, Zigarren ins Sortiment zu nehmen.“ Bravo bedauert den Verlust einer der ganz Großen der Zigarrenwelt: „Er war der Vater südafrikanischer Zigarrenkultur – eine echte Autorität. Er veranstaltete Zigarren-Events und war für die Branche die richtige Persönlichkeit. Er war ein großartiger Mann, und zum Glück bleiben uns seine Bücher“, beschreibt er gerührt die verstorbene „Zigarren-Ikone“ Theo Rudman.

Theo Rudmans Erbe
Der 2002 zum Habano Man of the Year for Communications gekürte Theo Rudman verlieh nicht nur der Zigarrenkultur Südafrikas, sondern der ganzen Welt seine besondere Handschrift: Er verfasste das Zigarren-Nachschlagewerk ‘Rudman’s Complete Pocket Guide to Cigars’, das Aficionados auch heute noch gerne zur Hand nehmen, und gründete die Zigarren-Lounge Bosman’s Cigars im Grande Roche Hotel. „Er sah Zigarren nicht als etwas, das man konsumiert, sondern machte daraus eine Lebensart“, kommentiert Garcia. Und Chris Harilaou erinnert sich daran, dass Rudman „leidenschaftlicher Zigarrenliebhaber war. Seine Leidenschaft galt zweierlei: der Zigarre per se und seinem Geschäft.“ Harilaou, der Rudman einige Male besuchte, erinnert sich gerne an den gemeinsamen Genuss einer Vegas Robaina Unicos, während die beiden über Zigarren, die Branche und das Leben im allgemeinen sinnierten. Der Vollblut-Zigarrenmann und Pionier Südafrikas Theo Rudman genießt in der gesamten Branche höchstes Ansehen.

Innovation und Tradition im Weinland Südafrikas
Die bekannteste Weinregion Südafrikas, die man gemütlich in einer halben Stunde mit dem Auto von Cape Town erreicht, bietet einen weiteren Anreiz für Aficionados. Mike Ratcliffe, General Manager des Vilafonté-Weinguts in Stellenbosch kam zu dem Schluss, dass das Aroma von Zigarren „die eleganteren Geschmacksprofile der weltbesten Weine oft überlagerte.“ Daher kreierte er eine spezielle „Weinzigarre“ mit subtilerem Geschmacksspektrum: die Vilafonté Series X. Von seinem Projekt begeistert und ohne Anspruch darauf, ein Zigarren-Experte zu sein, denkt Ratcliffe, dass „viele Wein- und Zigarrenliebhaber unser Produkt annehmen würden, wenn wir damit richtig liegen.“ Seine erste Auflage ist jedenfalls – mit guten Kritiken im Vorfeld – bereits ausverkauft. Die in der Dominikanischen Republik erzeugte Robusto, die vorzugsweise zu einem Cabernet Sauvignon geraucht werden sollte, charakterisiert ein subtiles, würziges Aroma zu Beginn und einen deutlich süßlichen Abgang. „Qualität ist etwas Subjektives. Genau wie Wein. Für die Zukunft planen wir wirklich hochqualitative Produkte“, meint Ratcliffe begeistert.
Nach einer kurzen Autofahrt weiter ins Innere der Weinregion stößt man auf Afrikas einziges Relais Gourmand Hotel-Restaurant – das prämierte Bosman’s Restaurant in Paarl. Das im Grande Roche Hotel gelegene Bosman’s spielte eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der Zigarrenszene Südafrikas. Jens Kozany, Marketingmanager des Hotels erinnert sich: „Als Theo Rudman zum ersten Mal ins Hotel kam, war er über das traditionelle Service und die fehlende Sensibilität für feines Essen, die damals in Südafrika gang und gäbe waren, schockiert. Dann veranstaltete er mit seinen kulinarisch versierten Freunden Dinnerpartys in dazupassender Kleidung, um den schönen Dingen des Lebens zu frönen.“ So entstand Bosman’s Cigar. Und Events, die die feine Küche, Wein und Zigarren zelebrieren, finden dort auch heute noch statt.
Die viel versprechende Zukunft der Zigarrenszene Südafrikas liegt in den Händen jener, die alle Möglichkeiten zur Innovation ausschöpfen und gleichzeitig auf bewährte Traditionen zurück greifen. Russel Christopher, ehemaliger Berater des Sprechers im Südafrikanischen Parlament, meint dazu treffend: „Die Zigarre ist das Medium, das uns alle verbindet.“ Dieses Verbundensein ist die gemeinsame Basis für die Regenbogennation und ihre Zigarrenliebhaber.

 
   
 





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