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Sammlerstücke  aus Papier

Text: Colin C. Ganley / Fotos: Colin C. Ganley

Wenn ein Mann wie Peter Vrijdag auf Einkaufstour nach Lithographien geht, können Sie darauf wetten, dass diese einen Blick wert sind.

Im Februar waren Zigarren-Liebhaber aus aller Welt auf Antiquitätensuche in Havanna. Während die meisten die Zigarren-Geschäfte durchstöberten, suchte und fand der Besitzer einer der renommiertesten kommerziellen Druckereien der Welt Schätze aus Papier. Die Zigarren-Kistenkunst hat einen unverwechselbaren Stil, bei dem zwei einzigartige Kulturen aufeinanderstoßen: jene der Zigarren-Hersteller und Tabakanbauer, die tropisch, landwirtschaftlich und handwerklich geprägt ist, und jene der Zigarren-Raucher, die dazu neigt, gemächlicher, europäischer und bisweilen aristokratisch zu sein. Die Art und Weise, wie Marketingfachleute diese zwei Kulturen zusammengeführt haben, wird von jahrzehntealter Zigarren-Kunst widergespiegelt.
Wovon hier die Rede ist? Zigarren-Kunst kann natürlich die unterschiedlichsten Formen annehmen. Anzeigen in Magazinen etwa sind oft wunderschön gestaltet und können nach Jahrzehnten an Wert gewinnen. Dennoch ziehen die meisten Sammler Zigarren-Kunst mit Prägungen, Goldfolien oder seltenen Sujets vor und unterscheiden deshalb in erster Linie zwischen zwei Kunstkategorien: Banderolen und Vistas.
Wir sind mit Banderolen bestens vertraut, da sie um unsere Zigarren gewickelt sind und uns sagen, was wir rauchen. Die Funktion der Banderolen ist über die Jahre mehr oder weniger die gleiche geblieben. Der Druck hingegen hat sich viele Male verändert, und deshalb sind ältere Banderolen zu begehrten Sammlerstücken
geworden.
Die Bezeichnung „Vista“ ist weniger bekannt. Dabei handelt es sich um das große, bedruckte Stück Papier auf oder in einer Zigarren-Kiste, das sich üblicherweise auf oder innerhalb des Deckels einer Dress Box befindet, das heißt eine mit Papier umhüllte Kiste und keine nackte aus reinem Zedernholz. Der Begriff „Vista“ bezieht sich auf die traditionellen Landschaftsdarstellungen, die auf der Deckelinnenseite einer Dress Box zu finden sind.

Popularität ist unberechenbar
Wie jede Kunstform hatte auch die der Zigarren ihre Höhen und Tiefen. Vor fünfzig Jahren noch war sie als sammelwürdige Kunst so gut wie gar nicht anerkannt. Nostalgie, Kunstverständnis oder individuelle Besonderheiten verleiteten manche dazu, Zigarren-Banderolen und Kisten aufzuheben. Das machte sich dann bezahlt, wenn sie diese in den 60er- und 70er-Jahren verkauften. Das Bloomingdale-Kaufhaus verkaufte zum Beispiel im Jahr 1978 mit Zigarren eingerahmte Zigarren-Labels für 79,95 US-Dollar pro Stück.*)
Damit hatte der Markt so ziemlich seinen Höhepunkt erreicht, denn heute wird kaum ein Label so hohe Preise erzielen. Die gegenwärtigen Händler werden zwar durch den Verkauf von Zigarren-Kunst keine Millionengewinne machen können, aber es ist eine ausgezeichnete Zeit für Sammler, Banderolen, Kisten und Vistas zu erwerben. Derzeit kosten Banderolen auf dem Markt in Havanna zwischen 1 und 25 US-Dollar. Einige seltene Exemplare erzielen mehrere hundert Dollar. Doch die kleine Gruppe aktiver Sammler hat die Spitzenpreise in den letzten Jahren in die Tiefe getrieben. Vistas kosten mehr als Banderolen und Kisten sind noch eine Spur teurer. Der Preis für die günstigste Vista liegt gewöhnlich bei etwa 5 US-Dollar.

Themen
Wie Joe Davidson in seinem Buch The Art of the Cigar Label beschreibt, spannen sich die Themen der Abbildungen auf Zigarren-Banderolen von Tieren über Transportmittel, patriotische Sujets, Club-Logos und Mitglieder des Königshauses bis zu berühmten Persönlichkeiten.
Politische Führer sind seit den Anfängen von Zigarren-Banderolen auf diesen anzutreffen. Selbst heute noch stößt man auf Banderolen mit den Namen Winston Churchill, Che Guevara und Barack Obama. Zwei meiner Favoriten unter den politischen Banderolen stammen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die eine zeigt einen der beliebtesten Politiker, die andere einen der meist gehassten – zumindest in Kuba.

Bildqualität
Drucktechniken haben sich über die Jahrhunderte drastisch verändert. Frühe Banderolen und Vistas wurden mittels Steindruckverfahren hergestellt. Die Anwendung dieser Methode resultiert in fettgedruckten Designs und scharfen Prägungen.
Eines der Hauptprobleme dieses Verfahrens ist, dass sich die Steine abnutzen und dadurch die Präzision verloren geht. Wenn keine neuen Steine hergestellt werden, sinkt mit der Zeit die Druckqualität. Der Unterschied ist ganz eindeutig bei den La Corona- und Opus X-Banderolen sichtbar. Während die neueren Banderolen oft größere Perfektion aufweisen, sind andere, darunter die La Corona-Banderole, gerade wegen ihrer Mängel bei vielen Sammlern beliebt. Tatsächlich können die Steinsignaturen beziehungsweise Mängel den Wert der Banderolen steigern, weil dadurch ihr Alter bestimmt werden kann und sie zudem illustrieren, dass es sich um handgemachte Werke handelt.
Goldfolien waren im 20. Jahrhundert weit verbreitet, um die Konsumenten mit dem Prestige der Marken zu beeindrucken. Die Vrijdag-Druckerei in den Niederlanden verwendet heute Goldbronze, um einen glänzenderen Effekt als mit goldener Tinte oder Folie zu erzielen. Die Verwendung von metallischen Elementen in der Zigarren-Kunst vermittelt seit jeher Vermögen und Qualität. Die La Corona- und Opus X- Banderolen veranschaulichen den Unterschied zwischen diesen beiden Metalleffekten ganz eindeutig.
Diese La Corona-Banderole präsentiert sich mit der für ältere Banderolen typischen tiefen Prägung. Obwohl sie schön ist, schließt die Prägung nicht ganz sauber mit den auf die Banderole gedruckten Farben ab. Man sieht außerdem, dass die Prägeplatten abgenutzt sind und deshalb die in die Banderole gepresste Form nicht mehr perfekt ist. So beeindruckend und schön diese Banderole auch ist, fehlt es ihr an den klaren und scharfen Zügen der mit modernen Techniken gedruckten Opus X-Banderole.
Die Opus X-Banderole wird für die Arturo Fuente Company von Vrijdag in den Niederlanden gedruckt und weist viele Merkmale der modernsten heute verfügbaren Drucktechniken auf. Die Prägung ist perfekt ausgerichtet, aber nicht so dramatisch wie jene älterer Banderolen. Das goldbronzene Metall vermittelt einen viel brillanteren Eindruck als die Goldfolie auf älteren Exemplaren, und die exakte Positionierung der goldenen Stellen ist bemerkenswert. Diese Banderole ist vielleicht das beste Beispiel dafür, was heute dank moderner Drucktechniken zu erreichen ist.

Vistas
Vor der kubanischen Revolution wurde das Verhältnis zwischen Kuba und dem Rest der Welt in der Zigarren-Vermarktung fein ausbalanciert. Auf der einen Seite gibt es viele Vistas, die Szenen aus Kuba, Tabakfelder und amerikanische Ureinwohner widergeben. Auf der anderen Seite gibt es eine Sammlung von Vistas, die rein europäische und globale Motive zum Thema haben. Einige der interessantesten Vistas kombinieren diese zwei verschiedenen Kulturen und zeigen in gewisser Weise, wie Zigarren diese beiden Kulturen verbinden.
Zigarren (und Rum) wurden in Südamerika hergestellt und in großen Mengen in Europa und den Vereinigten Staaten konsumiert. Wann immer diese Kulturen aufeinandertrafen, wurde dies in der Zigarren-Kunst illustriert. Ganz gleich, ob man sie nun am lokalen Antiquitätenmarkt oder in den Seitengassen von Havanna oder Tampa findet, Zigarren-Kunst ist historisch, schön und wertvoll.

 
   
 





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