
Der Zigarren-Botschafter
Text: Bruno Bötschi / Fotos: Gian Vaitl, Davidoff
Vor dreißig Jahren hat Moritz Suter sein erstes Luftfahrtunternehmen gegründet. Seine Crossair flog an die Spitze aller Regionalfluglinien Europas. Auf ihrer Grundlage wurde später die Swiss aufgebaut. Für sein öffentliches Bekenntnis zur Zigarre wurde er zum „Botschafter des kultivierten Rauchgenusses“ ernannt.
„Wenn ich eine Zigarre anzünde, dann geht bei mir der Friede hinein und der Ärger mit dem Rauch hinaus.“ Moritz Suter sitzt auf der Terrasse im Hotel Le Grand Chalet in Gstaad. Der Schweizer Luftfahrtunternehmer blinzelt zufrieden der Sonne zu, während er sich eine Davidoff Special "R" anzündet, seine Lieblingszigarre. Es ist kurz vor elf Uhr. An diesem Nachmittag soll Moritz Suter von Davidoff zum ersten „Botschafter des kultivierten Rauchgenusses“ ernannt werden. Plötzlich rumpelt und rattert es am wolkenlosen Himmel, der an diesem Morgen das Berner Oberland überspannt. Der Kenner stellt sofort fest: „Schaut, da kommt eine Ju-52 geflogen!“ sagt Suter, der mit 18 Jahren im Altenrhein am Bodensee und später in England, Holland und Afrika seine ersten Erfahrungen mit der Fliegerei machte. Die ersten Luftsprünge machte mit einer segeltuchbespannten Piper L4.
Die Zigarre als Erkennungsmerkmal Später war er bei der Swissair Co-Pilot auf dem zweimotorigen Kolbenflugzeug Convair Metropolitan und auf der Convair Coronado. 1974 wird er zum Flugkapitän auf der DC9 ernannt. Mit 40.000 Schweizer Franken aus der Tasche eines Basler Modelleisenbahnfans und 25.000 Franken von einer Kleinkreditbank gründet Moritz Suter 1975 die Business Flyers Basel, die 1978 zur Crossair wurde und bald die führende europäische Regionalfluggesellschaft war. „Dieser Mann ist ein Mutmacher für alle Genießer. Für alle, die sich den vitalen Spaß am Leben auch auf der Ebene des Managements erhalten wollen", schrieb der 2001 verstorbene Schweizer Medienunternehmer Daniel E. Eggli einmal über Moritz Suter. Er ist ein Mutmacher für alle feinsinnigen Aficionados. Seit Jahren ist die Zigarre das Erkennungszeichen des 62-jährigen Suters. Nur logisch, dass er jetzt von Davidoff zum Botschafter für eben diese ernannt wurde. Angefangen mit Rauchen hat Moritz Suter, wie fast jeder Schweizer Bub, mit Nielen, den Ästen der Waldrebe „Clematis Vitalba“. Und welche Zigarre brannte als erste in seinem Mund? „Ein Rössli-Stumpen von Villiger.“ Mit 18 soll das gewesen sein. Mit der Zeit seien dann teurere Puros dazu gekommen. „Aber ich rauche auch heute noch ab und an einen Schweizer Stumpen. Das hat Stil. Ich bin doch nicht so versnobt, dass es immer nur eine Davidoff sein muss.“ Moritz Suter, der Genießer. Gänseleber mag er sehr. Fisch auch. Und die italienische Küche. Dafür steht er auch gerne selber hinter den Herd. „Ich koche wahnsinnig gerne. Nur etwas tue ich noch lieber.“ Was denn, bitte? „Essen natürlich.“ Und wo hat er kochen gelernt? „Wo lernt ein Maler malen? Beim Malen!“ Kochkurse sind Moritz Suter so unheimlich wie Managmentkurse.
Grundstein für die Swiss gelegt Unheimlich gern dagegen mag er Poulet al forno. Das Pouletbrüstlein füllt er mit dem, wozu er grad Lust hat, mit Zwiebeln, mit Knoblauch, mit Rosmarin oder Salbei. Am liebsten zubereitet auf dem Grill vor seinem Ferienhaus im Tessin. Dort ist der Luftfahrtpionier aus Basel seit dem Zusammenbruch der Swissair häufiger anzutreffen. Viele Fehler seien damals passiert, als die Swissair im Oktober 2001 für einige Tage den Betrieb einstellen und die Nachlassungsstundung beantragen musste. In der Folge wurde die Crossair, die damals wie Swissair und Balair zur SairGroup gehörte, unabhängig. Auf ihrer Grundlage wurde die neue Schweizer Fluggesellschaft Swiss aufgebaut. Doch nun musste auch die Swiss ihr Tafelsilber verscherbeln, fliegt seit Sommer als Tochter der deutschen Lufthansa. „Eine verrückte Zeit, der Zusammenbruch der Swissair, dem ehemaligen Schweizer Nationalstolz.“ Eine Zeit auch, über die Moritz Suter heute nicht mehr viel reden mag. Er, der Machertyp, der nach vorne schaut. Er, der Motivator, von dem ehemalige Crossair-Mitarbeiter heute noch schwärmen. Er, der über sich selber sagt: „Dank dem, was ich in meinen 62 Lebensjahren alles gelernt habe, verstehe ich heute das Leben besser.“ Und er, der seine Träume nicht nur träumt, sondern realisiert – und vom Fliegen die Finger nicht lassen kann. Anfang Sommer hat er die Prüfung als Linienpilot nochmals bestanden, nachdem er seine Fluglizenzen während der Crossair-Zeit alle abgegeben hatte. Und im Vorjahr gründete er die Hello AG, eine Charterfluggesellschaft mit Sitz in Basel. Die Ziele der neuen Airline? „Sicher nicht wachsen um jeden Preis,“ sagt Moritz Suter. Darum will er auch nicht über konkrete Projekte mit Hello reden. „Aber natürlich, wenn uns morgen eine günstiges Geschäft zur Vergrößerung angeboten wird, werde ich es mir genau anschauen.“
Zum 100. Geburtstag eine Davidoff aus Kuba Doch für Moritz Suter ist die Größe eines Unternehmens nicht entscheidend, sondern vielmehr wie es aufgebaut, wie es verwurzelt ist. „Die Basis sollte bei einer großen Fluggesellschaft genau gleich sein wie bei einer kleinen – einfach und kompakt.“ Grad so wie seine Lieblingszigarre, die Davidoff Special "R". Obwohl längere Zigarren vielleicht machohafter aussähen. „Aber aus diesem Alter bin ich wirklich heraus.“ Die Special "R", ein Robusto-Format, überzeugt Moritz Suter wegen ihrer gehaltvoll-würzigen Aromen. Nicht immer, aber vier-, fünfmal im Tag darf es schon eine sein. Die erste steckt er sich meist so gegen elf Uhr morgens an. Nur selten glimmt in Suters Mund eine Havanna-Zigarre. So will er denn auch keine Favoritin unter den kubanischen Puros nennen . „Die, die man mir schenkt.“ Sagt’s, schmunzelt und verrät, dass in seinem Humidor noch ein paar kubanische Davidoffs liegen. „Aber die sind nur zum Anschauen da. Vielleicht werde ich zu meinem 100. Geburtstag wieder einmal eine genießen.“
Er zeigt seine Passion öffentlich her Auf Suters Geburtstagstorte brennen noch lange keine hundert Kerzen. Schließlich hat er noch einige Pläne, die er in seinem Leben realisieren möchte. Und schon braust er in seinem schwarzen Cabriolet, Marke Aston Martin, los – Richtung Talstation Wasserngrat. Dort, genauer im Bergrestaurant hoch über Gstaad, ernennt ihn Reto Cina, CEO von Davidoff, an diesem Nachmittag zum Botschafter der kultivierten Rauchgenusses. „Wir würdigen damit die Tatsache, dass Moritz Suter seit Jahren die Passion für die Zigarre in aller Öffentlichkeit lebt“, sagt Cina in seiner Laudatio. Moritz Suter nennt in der Dankesrede seinen ganz persönlichen Grund, warum er die Ernennung angenommen hat: „Ernst Schneider, der Besitzer von Davidoff, ist ein langjähriger Freund von mir. Ich achte ihn sehr.“ Gemeinsam habe man viele schöne Projekte im Kultur- und Sportsponsoring lanciert. Und immer hätte Ernst Schneider ein offenes Ohr für ihn gehabt. „Auch bei Geschäften, die anfänglich ganz und gar unmöglich schienen.“
„Je mehr Verbote, desto dümmer werden wir!“ Schneider und Suter, zwei große Genießer. Zwei, mit viel Lust am Leben. Eine Lust, die sie immer wieder dazu trieb, gemeinsame Ideen zu verwirklichen. Zwei, die für ihre Themen auch im Gegenwind standhaft blieben. Und trotzdem: Blindem Fundamentalismus verfielen sie nicht. „Fundamentalismus ist immer schlecht, egal wo,“ sagt Moritz Suter. Einleuchtend, warum er wenig Verständnis für die Hysterie hat, mit der heute gegen Raucher vorgegangen wird. Moritz Suter hat Mühe, wenn ihm andere sagen, wie er zu leben hat. Das war schon während seiner Schulzeit so. Dort packte er irgendwann den ganzen Bettel und ging. „Die Freiheit ist eines der wichtigsten Güter, die wir Menschen besitzen.“ Deshalb ist er gegen alle Maßnahmen, die die Freiheit des Menschen einschränken. „Die ewige Verbieterei ist eine schlechte Erziehungsmaßnahme. Je mehr Verbote wir Menschen aufstellen, desto dümmer werden wir. Wir sollten stattdessen alles dafür tun, dass die Menschen mehr denken müssen. Natürlich, Fehler macht jeder. Das ist menschlich. Aber deshalb müssen wir nicht anfangen, uns Menschen mit Verboten schlecht zu behandeln." Menschen, die schlecht behandelt werden, haben keine Lust auf’s Leben. Doch ohne Lust gibt es keine Träume. Egal, wenn die am Ende eines Leben nicht alle erfüllt wurden. Schließlich hat auch ein Moritz Suter noch einige Träume offen – unter anderem jenen vom eigenen Zigarrenladen. Dabei wollte der Flugunternehmer einmal Davidoff kaufen. „Das muss 1980 gewesen sein, als ich Zino Davidoff in seinem Zigarrengeschäft in Genf besucht habe.“ Aus dem Kaufangebot ist nichts geworden. Und so träumt Moritz Suter den Traum vom Zigarrenladen bis heute: „Träume soll man nie verlieren, sonst ist man arm.“
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