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Eine Welt voller Fragen

Text: Marc André / Fotos: Marc André

Seit Erscheinen dieser Rubrik haben uns viele Fragen von Lesern erreicht. In dieser und in der nächsten Ausgabe möchten wir die wichtigsten Problemkreise publizieren und auf diese Weise allen zugänglich machen.

Wie wähle ich den richtigenReisehumidor aus?
Aufgrund der geringen Abmessungen eines Reisehumidors ist eine funktionierende Befeuchtung extrem schwierig. Das Luftvolumen ist so klein, dass ein passiver Befeuchter sehr schnell zur Überfeuchtung führen kann. Zudem ist der Abstand der Zigarre zum Befeuchter extrem gering, so dass die Gefahr eines matschigen Deckblattes aufgrund zu naher Positionierung der Zigarre am Befeuchter  resultiert. Temperaturschwankungen auf der Reise kommen hinzu und haben eine direkte Auswirkung auf die Luftfeuchte im Humidor. Legt der eine Aficionado Wert auf ein edles Äußeres, so steht bei dem anderen die Lagerungsqualität unter schwierigen Umweltbedingungen im Vordergrund. Will der eine drei Zigarren für zwei Tage auf Reisen mitnehmen, so sind es bei dem anderen 50 Zigarren für drei Wochen. Aus diesem Grund schlage ich für die Reise eine Kombination aus einem dicht schließenden Etui für 2 bis 3 Zigarren und einem stabilen, unempfindlichen Aufbewahrungssystem für 5 bis 80 Zigarren vor.
Der Markt bietet diverse Hülsen aus Metall oder Kohlefaser an, die ich für die Aufbewahrung von 2 bis 3 Zigarren empfehlen würde. Eine Befeuchtung ist hier überflüssig, da diese Hülsen sehr dicht schließen. Zur Lagerung der größeren Menge würde ich zu den hässlichen, aber ungemein praktischen Cigarrenkoffern raten. Diese verfügen über Cigarrenbetten aus Schaumstoff und bieten einen hervorragenden Schutz. Auch schließen diese Boxen so dicht, dass im geschlossenen Zustand praktisch keine Feuchtigkeit verloren geht. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten. Im Deckel dieser Koffer ist meist ein kleiner Befeuchter eingebaut. Wenn Sie diesen benutzen wollen, dann dürfen Sie in den drei Cigarrenbetten unter dem Befeuchter keine Zigarren einlagern, da diese aufgrund des geringen Abstandes zum Befeuchter sofort matschig und weich werden. Verwendet man einen größeren Koffer mit mehreren Schaumstofflagen, so empfehle ich, statt des eingebauten Befeuchters ein oder zwei Stücke Spanischen Zedernholzes zu verwenden, welche so zugeschnitten sind, dass sie exakt in ein Zigarrenbett passen; diese Holzstücke werden leicht angefeuchtet und in die mittlere Schaumstofflage gelegt. Das reicht erfahrungsgemäß für 4 bis 5 Wochen aus, bietet die Sicherheit keiner Überfeuchtung und die Zigarren sind hervorragend geschützt. Zugegeben – einen Schönheitspreis gewinnen diese Plastikbüchsen nicht. Aber auf Reisen sind sie, wie ich finde, ungeschlagen praktisch.

Soll man cellophanierte Zigarren auspacken oder im Cellophan belassen?
Fragt man die Hersteller cellophanierter Zigarren nach den Gründen für dieses Tun, so erhält man folgende Antworten: Besserer Schutz der Deckblätter vor Beschädigungen (Lagerung, Umschichten, Anfassen). Langsamere Austrocknung, wenn der Humidor streikt oder man auf Reisen ist. Weniger Aromenabgabe an die Umgebungsluft und damit längerer erhalt der „Nase“ der Zigarre. In der Tat wird bei cellophanierten Zigarren sehr selten Deckblattschäden vorfinden. Speziell bei sehr filigranen Deckblättern ist dieses Argument nachvollziehbar. Vor allem wenn man bedenkt, wie mit den Zigarren in manchen gastronomischen Betrieben umgegangen wird, ist eine Cellophanierung nicht ganz unangebracht. Auch und vor allem dann, wenn zur sichtbaren Präsentation die Zigarren offen in der Kiste gelagert werden und damit permanent mit der Umgebungsluft (im Humidorschrank oder dem begehbaren Humidor) in Berührung kommen, ist das Argument eines verzögerten Bouquetverlustes korrekt.
Legt man eine cellophanierte Zigarre in eine trockene Umgebung, so trocknet sie ebenso wie eine nicht eingepackte Zigarre aus. Etwas langsamer, aber sie trocknet. Das Cellophan ist in der Tat nicht „ganz dicht“, selbst der Geruch der Zigarre ist durch das Cellophan wahrnehmbar. Wenn also Feuchtigkeit durch die Cellophanierung entweichen kann, dann kann sie auch eindringen. Luftfeuchte ist also kein Grund, die Cellophanierung zu entfernen. Andererseits können wir uns fragen, weshalb 50er-Cabinetkisten mit NICHT-cellophanierten Zigarren vor allem bei der Fraktion der Cubaraucher so beliebt sind. Hier möchte man ja gerade die „Vermählung“ baugleicher Zigarren auf eine längere Zeitdauer erreichen, was in Cabinetkisten weit besser gelingt als in der klassischen zweilagigen 25er- oder 10er-Kiste. Hier wäre eine Cellophanierung natürlich obsolet. Fazit und Empfehlung: Verfolgt man die Absicht, Zigarren im Sinne des Agings über einen langen Zeitraum zum Zwecke der sekundären und tertieren Aromenausbildung einzulagern, dann würde ich die Cellophanierung entfernen. Wen die Plastikoptik des Cellophans im Humidor nicht stört, der lässt die Zigarren eingepackt. Alle anderen sollen sie auspacken. Ich denke, man kann das recht entspannt sehen.

 
   
 





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