
Hans-Kristian Hoejsgaard im Gespräch
Der Däne Hans-Kristian Hoejsgaard folgte Reto Cina als CEO der Oettinger Davidoff Group. Er ist nicht nur erfolgreicher Manager, sondern mit Herz und Seele im Tabakbusiness verwurzelt.
Seit 1. Juni 2011 ist der dänische Topmanager Hans-Kristian Hoejsgaard (52) CEO der Oettinger Davidoff Group, nachdem sein Vorgänger, Reto Cina, nach 14 Jahren seine Tätigkeit beendet hat. Hoejsgaard war zuvor für Seagram in Italien, Hongkong und Thailand tätig, er leitete die Geschicke von Guerlain in der Region Asia/Pacific und führte die weltweite Lancaster Group. Danach war er CEO bei Georg Jensen und lenkte die Timex Group. Und: er kennt die Welt des Tabaks von der Pike auf. Im Alter von 22 Jahren trat er ins dänische Familienunternehmen ein und arbeitete dort sechs Jahre im Tabak- und Pfeifenbusiness.
Herr Hoejsgaard, 1911 eröffnete Henri Davidoff in Genf sein Tabakgeschäft und legte damit den Grundstein des heutigen weltumspannenden Netzes von 65 Davidoff Flagship Stores. Wie lassen Sie Ihre Kunden an dem Jubiläum teilhaben? Wir starten das Jubiläum mit einem kleinen Event am 21. Juni in Genf, danach werden wir Feiern in aller Welt organisieren. Ab Sommer wird es exklusiv im Genfer Stammhaus die Jubiläumszigarre geben. Sie besteht ausschliesslich aus Tabaken, die von Davidoff durch Kreuzungen oder Weiterentwicklungen von eigenen Samen selbst gezüchtet worden sind. Diese Zigarre wird ab September in allen 65 Flagship Stores erhältlich sein, allerdings in sehr kleinen Mengen. Und eine Robus-to-Version dieser Zigarre bieten wir dann über Davidoff Depositäre an. Wir werden also ausgiebig feiern.
Wie entwickelt sich die jüngste Linie von Davidoff, die Puro d’Oro? Wenn ich sage „sehr gut“, so ist das vielleicht noch untertrieben. Die Puro d’Oro ist geschmacklich so anders als unsere bisherigen Kreationen, dass wir damit erstmals vollkommen neue Kundenschichten überzeugen konnten. Sie läuft wirklich sehr gut. Wir haben soeben das neue Format Eminentes vorgestellt, eine Toro, die vorerst nur am US-Markt verfügbar ist, da es noch zu wenige Deckblätter in dieser Größe gibt. Aber wir sind guter Dinge, sie bald weltweit anbieten zu können.
Ist es schwierig, eine Luxusmarke wie Davidoff in wirtschaftlich schwierigen Zeiten an der Spitze zu halten? 2008 und 2009 waren schwierige Jahre, aber der Markt für Luxusgüter hat sich sehr gut behauptet. Auch wenn wir alle den Gürtel enger schnallen müssen, so ist es für manche eben „nur“ der Gürtel aus Krokodil-Leder. Luxusmarken zeichnen sich durch drei Eigenschaften aus: Authentizität, Qualität und Rarität. Authentische, gut eingeführte Marken spüren Krisen nicht so sehr wie Newcomer. Worauf Sie aber wahrscheinlich hinaus wollen: Unsere Absatzzahlen legen nun wieder in allen Preissegmenten zu … vor allem in Asien. Europa als vollentwickelter Markt blieb ohnehin recht stabil, und die USA zeigen gute Zeichen der wirtschaftlichen Erholung.
Hat sich der Zukauf von Unternehmen und Marken wie Cusano und Camacho bezahlt gemacht? Die Strategie ist klug. Wenn man seine Position im Markt insgesamt stärken will, muss man das auf verschiedenen Ebenen tun, etwa in unterschiedlichen Preiskategorien und Marktsegmenten. Zum Beispiel hat uns die Akquisition von Camacho vor allem in den USA zusätzliche Marktanteile gebracht. Cusano wiederum hat den Weg ins Private-Label-Geschäft und neue Distributionskanäle geebnet. Mir geht es jetzt darum, das Potenzial jeder unserer Marken auszuloten und optimal zu nutzen, wobei die Marke Davidoff immer unser „Kronjuwel“ sein wird.
Nach ihrem fulminanten Start im Jahr 2008 scheint sich die Marke Winston Churchill in den USA besser zu entwickeln als in Europa. Stimmt das? Die Marke hat in den USA einen enormen Bekanntheitsgrad. In Europa sind die jüngsten Formate äußerst erfolgreich. Wie Sie wissen, gibt es in Teilen der Welt unterschiedliche Vorlieben für Formate, Geschmack, Stärke usw. Wie ich schon sagte, wir werden in kurzer Zeit die Stärken jeder einzelnen Marke in den jeweiligen Märkten optimieren.
Was ist Ihre Vision für Davidoff? Dazu habe ich zwei Vorstellungen. Erstens: Davidoff ist eine wunderbare Marke von internationaler Bedeutung. Unser einziger Mitbewerber weltweit ist ja eigentlich ein Land und nicht eine Marke. Diese Stellung gilt es zu sichern und auszubauen. Und zweitens: Wir – und damit meine ich die gesamte Industrie wie auch die Medien und Konsumenten – sollten der Welt vor Augen halten, dass der Genuss einer Zigarre nicht mit dem landläufig verwendeten Begriff des Rauchens gleichgesetzt werden kann und darf; eine Zigarre ist vielmehr wie das gelegentliche Glas Champagner. Ich möchte, dass man an Davidoff denkt, wenn es etwas Besonderes zu feiern gibt.
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