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Sydneys Tabakhändler par excellence

Text: Samuel Spurr / Fotos: Samuel Spurr

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts emigrierte Sol Levy aus dem heutigen Polen nach Australien und gründete sein Tabakgeschäft in der boomenden Wirtschaft auf der anderen Seite der Welt. Samuel Spurr sprach mit Levys Urgroßnichte und verrät ein wenig über die 120-jährige Geschichte des Familienunternehmens.

Sol Levy, 1860 geboren und Zigarren-macher von Beruf, kam in den 1880er-Jahren nach Sydney und widmete sich dort sofort seinen Aufgaben. Er war erst Kassenverwalter und später Präsident der New South Wales Hebrew Benevolent Society und arbeitete unermüdlich für die jüdische Gemeinde. Nachdem seine Frau Elizabeth und er kinderlos blieben, adoptierten sie ihren jungen Neffen Ted Levi, um Elizabeths Schwes-ter nach dem Tod ihres Mannes unter die Arme zu greifen. Ted behielt den Familiennamen seines Vaters – Levi – und lernte das Zigarrenhandwerk von seinem Adoptivvater. Nach Sols Tod im Jahr 1925 führte er gemeinsam mit Elizabeth das Geschäft weiter. Während einer Busfahrt zur Arbeit, starb Ted 1962 an einem Herzinfarkt und übergab die Zügel somit an seinen Sohn Sol. Sol Levi, das derzeitige Familienoberhaupt, ist halbpensioniert, während seine Tochter Evelyn Platus das Geschäft leitet.
Evelyn übernahm das Management von Australiens ältestem familiengeführten Tabakgeschäft im Jahr 1998. Wie so viele in der Tabakindustrie, machte sie ihre Lehre als Teenager an Wochenenden und während der Sommerferien. „Wir kamen immer Samstag nachmittags ins Geschäft und polierten den Linoleumboden“, erinnert sie sich gern an diese Zeiten zurück. „Ich schnitt Filter zu, verpackte Großaufträge für Pfeifenreiniger und schlief auf den alten Salonsesseln, während Dad bis spät in die Nacht Pfeifen reparierte.“

Von australischen Zigarren bis zu Pfeifentabak
Sol Levy erreichte 1892 die Spitzenposition in der Zigarrenindustrie der Kolonie, als er von der Agricultural Society of New South Wales mit dem ersten Preis für Zigarrenherstellung ausgezeich-net wurde. „Damals war Zigarren-Rollen in Australien überhaupt nichts Außergewöhnliches“, informiert Evelyn. „Aufgrund der Temperaturextreme rollte Sol die Zigarren im Sommer im Keller des Geschäfts und im Winter auf dem Dachboden.“ Das Zigarren-machen liegt in der Familie: bis 1938 produzierte Teds Bruder seine eigene Zigarrenmarke mit dem Namen „Lyle’s Cigars“.
Der Schwerpunkt des Geschäfts verlagerte sich allmählich von Zigarren auf Pfeifen, und so bietet Sol Levy heute Aus-traliens größte Palette an Pfeifen und Pfeifentabak, ergänzt von einem Hauptsortiment an Zigarren. „Peterson-Pfeifen sind bei den Kunden sehr beliebt. Dad hat seit den 1960er-Jahren mit denen Geschäftsbeziehungen“, erzählt Evelyn. Sie selbst mag sowohl Zigarren als auch Pfeifen, wobei Fonsecas und Hoyo de Monterrey zu ihren Lieblingszigarren zählen und sie derzeit Petersons Sherlock Holmes Blend genießt. „Oft zeige ich einem Kunden ein Produkt und denke mir danach: Hmmm, das schaut aber gut aus, und probiere es daraufhin auch selbst.“

Sols Vermächtnis
Auf die Frage, was der Gründer wohl vom gegenwärtigen Zustand des Geschäfts halten würde, meint Evelyn, dass er vermutlich ziemlich stolz wäre, was die Familie erreicht hat. „Sol Levy war ein Kleinunternehmer und stieß auf etwas, das damals funktionierte – selbstverständlich war auch viel Glück mit im Spiel.“ Evelyn würde sich wünschen, dass das Geschäft in der Familie bleibt, und meint: „Mein Vater ist mit vielen Enkelkindern gesegnet, aber zur Zeit ist keines davon am Geschäft interessiert. Es gäbe aber natürlich Möglichkeiten.“
„Sol Levy“ ist in der Tat die Geschichte eines Tabakhändlers par excellence, der Tausenden von Zigarren- und Pfeifenliebhabern treu gedient hat und das mit ein wenig Glück auch noch etliche weitere Jahre tun könnte. „Wenn es uns gelingt, die derzeitige Einstellung der Gesellschaft gegenüber Rauchen zu ändern, dann könnten wir wohl überleben“, meint Evelyn. „Es gibt leider viel mehr Regierungsangestellte, die dafür bezahlt werden, gegen die Tabakindustrie anzukämpfen, als individuelle Personen, die bereit sind, Partei zu ergreifen und sich für ihre Sache einzusetzen.“

 
   
 





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