
Utopia-Figuren, versunken im Meer
Text: Gabriela Greess / Fotos: Gabriela Greess
Er kreierte die Hombre Habano Awards und überrascht mit ungewöhnlicher Action Art. Der Silber-schmied Raúl Valladares liebt Edelmetalle, das Meer und Cohibas.
Er präsentiert sich im Rampenlicht des Habanos-Festivals ebenso überzeugend wie im Taucheranzug am Malecón, wo er bizarre Skulpturen aus seiner Utopia-Welt im Meer versenkt: „An der Uferpromenade von La Habana setze ich meine Geschöpfe gern vor dem Abtauchen mit Publikum in Szene,“ erzählt der Bildhauer in seinem Atelierhaus in Havanna. Auf den ersten Blick erscheinen seine Gestalten mit ihren gepanzerten Bodys wie kosmische Galionsfiguren von einem galaktischen Raumschiff. Er will mit Unterwasser-Fotos von ihnen auf die bedrohten Weltmeere aufmerksam machen. „Ich gebrauche keine Materialien aus dem Atlantik wie schwarze Korallen oder Muscheln und den Rohstoff Holz setze ich sparsam ein,“ stellt der Umweltschützer klar. Als Silberschmied arbeitet der Kubaner mit Edelmetallen. Seit 1995 kreiert er die Trophäen für die höchste Auszeichnung der kubanischen Zigarrenindustrie, den Hombre Habano del Año. „Einen Monat lang arbeite ich daran, jedes Mal verändere ich ein Detail.“ Als passionierter Taucher und Öko-Kämpfer nutzt Valladares das Element Wasser, um seine Kunst fernab musealer Gewohnheiten zu präsentieren. Im Acuario Nacional, dem Aquarium Havannas, waren seine Büsten mit ihren kunstvoll geschmiedeten Rüstungen als „Submarine-Exponate“ zu bestaunen: Apokalyptische Ritter, entsprungen aus einem Science-Fiction-Film. „Ich verehre Steven Spielberg und hatte bereits persönlich Kontakt mit ihm,“ erzählt der 49-Jährige von seiner besonderen Beziehung zu dem US-Cineasten, der im Besitz einer seiner Skulpturen ist. „Ich stamme aus einer Familie von Tabakbauern, als Künstler bin ich Autodidakt,“ erwähnt er mit Blick auf seinen persönlichen Humidor. Den schmückt die filigran gedrechselte Hand eines Zigarrenrollers mit Tabakblatt und Chaveta. Raúl Valladares Valdés raucht gerne Cohiba Lanceros und Coronas Especiales. Die Passion für Puros hat er von seinem Vater. Raúl Valladares Diaz gehört zu den Machern bei Habanos S.A; als Spezialist für Deckblätter entwickelte er die viel gerühmte Trinidad-Zigarre. „Als ich Mitte der 90er-Jahre den Auftrag bekam, eine Trophäe für das Habanos-Festival zu fertigen, war das für ihn eine Erfüllung,“ erzählt Valladares Junior. Dann kam die Sondermission, ihn mit der Fertigung eines Humidors als künstlerisches Unikat zu beauftragen; bestimmt für die Versteigerung beim Gala Dinner des Habanos-Events: „Ein Humidor von mir brachte einmal 270.000 Euro.“ Fidel Castro schlug Valladares anlässlich eines Habanos-Festivals vor, über die Serienproduktion von Humidoren nachzudenken. Der Bildhauer lehnte ab: „Comandante, als Künstler fühle ich mich dem Unikat verpflichtet, zudem widerspricht so ein Projekt meinen ökologischen Grundideen.“ Die Argumente überzeugten den kubanischen Staatschef, die Geschäftsidee war vom Tisch. Raúl Valladares denkt gern an den Moment zurück, als er kürzlich in La Habana mit einer fragilen Seepferdchen-Figur vor einer begeisterten Menschenmenge auf den Meeresgrund abtauchte: „Vielleicht schaffe ich es doch noch mit einem Exponat ins MoMA New York“, sagt er mit seinem tief vibrierenden Lachen. Immerhin steht einer seiner Humidore in den Gemächern des spanischen Königs Juan Carlos: „Ein ganz schlichtes Exemplar,“ wie der Silberschmied betont.
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