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Mediziner mit Zigarren

Im Zigarrenbusiness begegnet man bekanntlicherweise durchwegs interessanten Charakteren: Neben den alteingesessenen Tabakfamilien finden sich zum Beispiel Musiker wie etwa Avo Uvezian, der Namensgeber der international erfolgreichen Marke AVO ist, oder Schauspieler wie George Hamilton und Burt Reynolds, die zumindest einige Jahre lang Zigarren mit ihren Namen herstellen ließen, weiters Sportler wie der NBA-Champion Mike Ditka, der für eine Linie der Graycliff-Zigarren steht, Juristen wie Indian Tabac-Gründer Rocky Patel. Ein weiterer, in den USA bereits recht bekannter Zigarren-Mann, ist der Mediziner Garo Bouldoukian. Er plant mit seiner Boutiquen-Zigarre den Sprung nach Europa.

Mit einer Gesamtproduktion von nicht einmal 200.000 Stück pro Jahr ist seine Marke das Paradebeispiel für Boutique-Zigarren schlechthin. „Garo Habano“ nennt er seine Kreationen, die er als One-Man-Show seit 1996 über ausgewählte Händler vermarktet. Und wie so manch anderem Hersteller auch, ging es ihm zunächst ausschließlich darum, Zigarren nach seinem eigenen Geschmack und zum eigenen Genuss zu kreieren. „Ich bin in Zypern aufgewachsen und habe viele Jahre am europäischen Kontinent verbracht. Da gewöhnt man sich natürlich an den Geschmack kubanischer Tabake“, streut Garo den Havanas Rosen. „Ich rauche Zigarren seit ich denken kann. Wo immer ich auch gelebt habe, wohin ich auch gereist bin, mein erstes Ziel war stets das beste lokale Tabakgeschäft und der Kauf einiger Havana-Zigarren.“
Medizin und Zigarren – Liebe und Leidenschaft
Der im Libanon geborene Garo („mein Familienname ist ja für viele fast unaussprechlich“) ist seit 1978 in Los Angeles beheimatet und geht dort auch heute noch seinem Beruf als Chiropraktiker nach. Zum Medizinstudium hatte er sich erst als Spätberufener entschlossen. Zunächst begann er damit in St. Petersburg/Russland, entschied sich dann aber dazu, mit einigen Freunden in die Dominikanischen Republik zu übersiedeln, wo er 1998 zum Doktor der allgemeinen Heilkunde promovierte. „Dort hatte ich auch erstmals die Idee, Zigarren selbst zu produzieren“, erinnert er sich zurück. „Befreundete Fabrikanten hatten mich vor meiner Rückkehr in die USA darum gebeten, einige ihrer Marken in den Vereinigten Staaten zu vertreiben. Da ich aber kein begnadeter Vertreter bin, unterbreitete ich ihnen den Vorschlag, jemanden geeigneten suchen zu wollen. Im Gegenzug durfte ich in ihrer Fabrik – es war die Cuevas y Hermanos-Manufaktur, wo auch Zigarren z.B. für Peterson gerollt werden – mit Tabakmischungen experimentieren und meine Idee von der perfekten Zigarre verfolgen.“ Damit begann Garo, seinen zweiten Lebenstraum zu verwirklichen: „Ich liebe meinen Beruf als Chiropraktiker, aber Zigarren sind meine wahre Leidenschaft.“
Ebenso penibel wie seine Suche nach perfekten Blends betrieb Garo die Sondierung eines geeigneten Markenzeichens. Die Wahl fiel schließlich auf die Schwertlilie, auch Fleur-de-Lis, welche Louis VII vor rund 900 Jahren zu seinem königlichen Symbol erkoren hatte. Für die grafische Umsetzung des Logos und seiner Website (www.garohabano.com) engagierte er den Designer Dicran Kassouny. Seine Banderolen verheißen schon optisch, was die Zigarren später bieten. Garos erste Zigarrenkreationen, zusammengefasst in der 1996 erschienenen „Blue Label“-Linie, fielen noch ziemlich mild aus. „Es war der Typ von Zigarre, den man sich gern zum Tagesbeginn mit einem Kaffee gönnt“: unter dem samtenen Connecticut Shade-Deckblatt dominikanische Piloto Cubano-Tabake, umhüllt von einem Olor-Blatt aus der Dominikanischen Republik. Dennoch – oder gerade deswegen? – wurde der damalige Newcomer mit Lobeshymnen einschlägiger Publikationen geradezu überhäuft. Smoke, das Smokeshop Magazin, The Robb Report, das Wine & Dine Magazin und Milton ermutigten ihn zu weiteren Schöpfungen. Mit „Garo Verde“ folgte der Farbton Grün auf der Banderole und 1998 brachte er „Garo Maduro“ auf den Markt. Damals setzte der Mediziner auf indonesische und brasilianische Deckblätter; die Zigarren wurden noch aromatischer und um einiges kräftiger. Vor drei Jahren erweiterte der emsige Zigarren-Doktor sein Angebot um die „Millennium“-Serie, für die er eine Habana 2000-Decke verwendet sowie um die Linie „Classique“ mit Rosada-Deckblatt und einer Einlagenmischung aus Piloto Cubano sowie Tabak aus Costa Rica.
Figuardos und ein Hauch
von Alkohol
In jüngster Zeit scheint sich Garo den Figurados verschrieben zu haben. Seine im Jahr 2001 entstandene Serie „Nouveau“ besteht aus einer Torpedo und gleich drei Perfectos. Und noch eine Besonderheit zeichnet diese Linie aus: die Tabake werden unter dem Einfluss von alkoholischen Essenzen fermentiert. „Es sind keine aromatisierten Zigarren im herkömmlichen Sinn“, wehrt Garo gleich vorweg ab, „man kann die Duftnoten nur erahnen. Der Tabak steht absolut im Vordergrund.“ Die Bezeichnungen der vier Nouveau-Vitolas entsprang seiner Liebe zur Musik. Die Perfectos mit den beschwingten Namen „Blues“, (Chardonnay-Note), „Jazz“ (Merlot-Note) und „Flamenco“ (Champagner-Note) bestehen aus Einlagen der Dominikanischen Republik, Nikaraguas und Costa Ricas, aus einem nikaraguanischen Umblatt und einem Cameroon-Deckblatt, die Torpedo namens „Salsa“ (Bier-Note) trägt einen Nikaragua Habano-Mantel.
Die jüngste Serie ist eine Hommage an die fleißigen Vorleser in den Zigarrenmanufakturen und nennt sich „Los Lectores“. Die drei Formate mit den schlichten Vornamen „C“, „T“ und „R“ tragen wunderbar sonnengebräunte Nikaragua-Deckblätter und sind Meisterstücke aus der Reyes-Fabrik in Santiago. „Alle meine Zigarrenkreationen sind wie meine Kinder. Ich versuche, meiner Linie, meinen Ideen treu zu bleiben. Als Boutique-Marke muss ich meine Nischen finden und mich von der Konkurrenz besonders abheben“, erklärt der stets fröhlich lächelnde Mediziner seine Strategie. „Deshalb suche ich meine Partner sorgfältig aus und wachse lieber langsam.“ Trotz seiner bescheidenen Unternehmensgröße hat er ehrgeizige Ziele: „Sollte ich noch eine neue Linie schaffen, dann sicher mit Nikaragua-Tabaken. Und irgendwann schaffe ich auch den Sprung nach Europa, wo ich aufgewachsen bin und Zigarren lieben gelernt habe. Anfragen sind jederzeit gerne willkommen!“

 
   
 





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