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Skurriler Witz und garantiert viel Punk

Text: Gabriela Greess / Fotos: Jo Lüders

Selbstporträt: Anstelle der Nase eine Zigarre im „Pinocchio-Format“. Und wie ein zündender Funke schwebt darüber ein Harlekin.

Die Lachmuskeln kommen vor seinen Werken garantiert zum Beben. Denn der belgische Zeichner liebt auch als Mitfünfziger immer noch den Punk. Skurrile Comics mit beißender Satire sind das Markenzeichen von Kamagurka, der bereits vor Jahren den Sprung über den Ozean schaffte und für das populäre Wochenmagazin „The New Yorker“ wie die legendäre Satire-Revue „National Lampoon“ publizierte.

Doch Luc Zeebroek, so sein bürgerlicher Name, hat auch als Maler und Musiker sowie provozierender Theatermacher von schrägen Performances seine begeisterte Fangemeinde. „Eine gute Habano befl ügelt meine Phantasien, ihr Rauch ist wie eine Skulptur in der Luft“, sagt der Afi cionado in seinem Atelier, das im Hinterland zwischen dem mittelalterlichen Brügge und Gent bewusst etwas versteckt liegt. Mit seinen Karikaturen schafft er sich nicht nur Freunde, denn er polarisiert auch zu gesellschaftlich überaus sensiblen Themen. Doch genauso lustvoll-bissig, wie er im deutschen Satire-Magazin Titanic die Niederungen der großen Politik und die Neurosen des kleinen Manns attackiert, feiert er in einer populären Comic-Serie den unsterblichen Helden Cowboy Henk in dessen wunderlichen Alltäglichkeit: „Der ist eine gemeinsame Erfindung mit meinem Kompagnon Herr Seele“, erzählt Kamagurka. Dass sein Künstlername auf seine einstige Punkband der Kama und Gurka zurückgeht, erwähnt er nebenbei. Heute beschäftigt er sich auch gerne mit ganz harmlosen Helden seiner Kindheit und Jugend: „Wie hätten wohl die Kubisten Braque und Picasso einen Popeye oder Tintin gemalt?“ fragt er sich hundert Jahre nach deren Zeit. Bei Kamagurka erscheint der abenteuerlustige Comic-Boy, den sein Landsmann Hergé (1907–1983) kreierte, wie aus einem futuristischen Spacelab-Labor entsprungen: und wen wundert’s: Tintins Markenzeichen, die verrückte Haartolle, mutiert gar zu einer Phantasy-Sonde aus dem All.

iPad-Art mit Cohiba in Amsterdam

Das Multitalent aus dem kleinen Belgien sucht immer wieder neue Herausforderungen wie im letzten Jahr bei einer 24-stündigen „Action-Art Performance“ in Amsterdam: „Das Stedelijk Museum lud mich ein, vor Publikum dort an einem iPad wie am Fließband über 50 Bilder zu produzieren.

Dass die ausgedruckten Exemplare nach nur kurzer Ausstellung verbrannt und in gläsernen Urnen als iPad-Art aufbewahrt wurden, war eine Hommage an diese rasant schnelle neue Technik.“ Bei dieser spektakulären Kunst-Session war es ausgerechnet eine Cohiba Siglo VI., die Kamagurka zu einer ganz neuen Inspiration verhalf: „Als ich morgens um fünf völlig erschöpft meine Puro
rauchte, sah ich einen Radfahrer draußen wie einen bunten Blitz vorbeibrausen: ein meditativer Flash und ich kam auf die Idee, einen Biker in kunterbunte Landschaftsbilder zu kleiden – und ihn so auf der beliebten Freizeit-Maschine Fahrrad zu platzieren.“ Daraus entstand die erfolgreiche Serie „Cycling Landscape“. Deren surrealistisch verfremdete Radfahrer-Skulpturen sind das perfekte Gegenstück zu Kamagurkas Genre der „Lazy Landscapes“: „Faule Landschaften, die sich in gemütliche Interieurs zurückziehen und auch einmal auf einem Sofa ausruhen, das hat die Welt noch nicht gesehen“, lacht der begeisterte Anhänger des Absurden Theaters. Sein großes Vorbild ist der belgische Surrealist René Magritte (1898–1967). „Der rauchte wie ich Zigarre“, freut sich der temperamentvolle Passionado.

Dessen Leidenschaft für feine Longfiller fließt auch immer wieder thematisch in seine Werke ein: wie auf dem Bild „The Mathematics of Smoke“, wo ein Philosoph mit mächtigem Denkerkopf seine Lust auf Puros in einer Badewanne zelebriert: Doch von wegen „Smoke on the Water“: nicht Rauchschwaden, sondern knallrote arithmetische Strecken zeichnen sich da mit schwarzen Lettern über dem Haupt von Kamagurkas Aficionado ab: wie ein Geheimcode für eine revolutionär neue Dimension des Tabakgenusses …

 
   
 





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