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Dark-fired Kentucky & Virginia

Text: Sebastian Zimmel / Fotos: MST, Zimmel, Villiger, Francesco Maria Testa

Schon die Ureinwohner Amerikas trockneten Tabak über Hickory-Feuer, um ihm eine würzige, rauchige Note zu verleihen. Wie diese speziellen Tabake entstehen, dazu haben wir Experten befragt.

Der Kentucky-Tabak hat seine ursprüngliche Heimat im gleichnamigen Bundesstaat der USA, welcher vielfach auch „Bluegrass State“ genannt wird, weil hier im Frühjahr riesige Grasweiden blaugrün blühen. Ein ideales Land für edle Pferde, geradlinigen Bourbon und eben rauchig-würzigen Tabak. Wandert man am Globus den Breitengrad entlang, landet man in Italien. Kein Wunder, dass auch hier guter Kentucky gedeiht.

Francesco Maria Testa ist gelernter Agronom und hat sich fast vierzig Jahre hindurch mit Kentucky-Tabak und seiner Verarbeitung beschäftigt. Heute ist er Schriftsteller und bekannter Landschaftsfotograf. In seinem Handbuch „Il Toscano“ hat er sein Wissen um die Herstellung der italienischen Zigarrenmarke Toscano zusammengefasst. Er schwärmt: „Von den verschiedenen gezüchteten Tabaksorten ist Kentucky zweifellos die spektakulärste … Kentucky ist ein Wunder der Natur. Ein Feld Kentucky-Tabak, wo beim Prozess des Trimmings die Blüten entfernt wurden, gleicht einem gekräuselten Meer dunkelgrüner Vitalität.“ Die Blätter des Kentucky sind relativ groß, harz- und fettreich. Die Mittelrippe des Blattes und auch die übrigen Blattvenen sind stark ausgeprägt. Eine ausgewachsene Pflanze wird, wenn man sie nicht trimmt, 180 bis 200 Zentimeter hoch und hat etwa 20 Blätter. Lässt man sie ausreifen, sind die Samenkapseln relativ groß.

Von Winchester/Kentucky nach Foiano della Chiana/Toskana

Scott Lowe ist ein junger Tabakfarmer aus Murray im Südwesten des Bundesstaates Kentucky: „Die Auswahl der Sorte ist eine der kritischesten Entscheidungen, wenn ich meine Ernte an dunklen Tabaken plane.“ Er vertraut dabei dem Saatzüchter Rickard Seeds, Inc. „Black Shank (ein gefürchteter Parasit) nimmt in der letzten Zeit zu. Mit dagegen resistenten Samen kann ich die Pflanzen länger im Feld stehen lassen und habe mehr Zeit zu ernten, ohne an Qualität zu verlieren. Ich bin stolz darauf, hoch qualitativen amerikanischen Tabak zu produzieren.“

Den italienischen Tabakbauern nehmen die Tabakfachleute der Manifatture Sigaro Toscano aus Foiano della Chiana, nahe Arezzo in der Toskana, die Entscheidung ab, welchen Samen sie verwenden sollen. Einer davon ist Dottor Danilo Finizio, Master Blender der Manifatture Sigaro Toscano: „Unser Kentucky hat einen amerikanischen Namen, aber ein italienisches Herz. Er wird seit über 200 Jahren in den Regionen Toskana, Kampanien, Umbrien, Latium und Venetien angebaut.“ Er legt Wert darauf festzuhalten: „Alle unsere Tabake sind strikt gentechnikfrei.“ Die Ernte findet zwischen August und September statt, etwa 90 Tage nach dem Aussetzen vom Saatbeet ins offene Feld. Ein Blatt ist zur Ernte bereit, wenn es sich gelblich-grün verfärbt, sich das Blattgewebe leicht wellt und in seiner Textur fragil wird. Faltet man es in der Tageshitze, knistert es leicht. In den USA bevorzugt man die Ganzstammernte, in Italien wird Blatt für Blatt geerntet. Je nach Größe, Form und Qualität wird festgelegt, ob es als Deckblatt oder Einlage verwendet wird (die Toscano hat kein Umblatt), wie lange es reift und für welche Zigarre es verwendet wird.

Die Trocknung findet in einem geschlossenen Raum statt, der von den Arbeitern Ofen genannt wird. Über einem Feuer aus Ahorn-, Eichen- oder Hickoryholz nehmen die Blätter die aromatischen Substanzen des Rauchs auf, die dem Tabak seinen etwas nussigen und rauchigen Geschmack verleihen. Nach dem Trocknen beginnt die Fermentation, ein komplizierter chemischer Prozess der Nachreife und Gärung, bei dem Eiweiß und Schadstoffe abgebaut und der hohe Nikotingehalt gesenkt werden. Die Einlage-Tabake fermentieren in speziellen Boxen (marnoni) 14 bis 21 Tage, bis sie nach mehrfachem Umschichten bei ca. 40° Celsius einen Feuchtegrad von 40 Prozent und einen ph-Wert von 8 bis 8,5 aufweisen. Erst durch die Fermentation erhält man einen rauchbaren Tabak. Die fertigen Zigarren lagern bis zu zwölf Monate, bevor sie im Päckchen landen und rauchfertig sind.

Dark fired Virginia

Der US-Bundesstaat Virginia, östlich von Kentucky, ist die Wiege des Tabakanbaus in der Neuen Welt. Daher nimmt es nicht wunder, dass der dark fired Kentucky und der dark fired Virginia starke Ähnlichkeiten aufweisen. Karlheinz Diekmann ist Tabakeinkäufer für das Unternehmen Villiger, das für ihre Virginiazigarren und auch für die originellen Curly und Culebras Virginia DFC (dark fire cured) verwendet. Ich erreiche ihn in Kenbridge, Virginia: „Dies ist die einzige Region, wo dieser Tabak wächst. Die produzierte Menge ist klein, nur zirka 500 bis 600 Tonnen grüner Tabak“, erklärt er. Übrigens wird dieser auch für die Produktion von Snuff und Kautabak verwendet. Der Experte weiter: „Der Virginia DFC wird weniger gefeuert als der typische DFC. Das liegt am Wetter. Wenn es zu heiß und zu trocken ist, kann man nicht feuern, da die Temperatur im Schuppen gewisse Werte nicht übersteigen soll. In Kentucky und Tennessee hingegen ist es feuchter und weniger heiß, dort kann mehr gefeuert werden. Zum Räuchern verwendet man in Virginia Sägemehl aus Hartholz.“

Schon die Azteken rauchten Tabakblätter, die um ein Schilfrohr gewickelt waren. Das war wohl die Urform der heute noch in Mitteleuropa beliebten Virginiazigarre. Die österreichische Marke Virginier, die schon Kaiser Franz Joseph gerne rauchte, war einst die stärkste Marke der Austria Tabak.

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