|
|
Der ZigarrendoktorFrage: Die von Ihnen immer gepriesene Kunst der Zigarrenroller schön und gut – aber was hält eigentlich die Tabakblätter wirklich zusammen? Da wird doch immer auch ein Leim verwendet – ist der chemisch? Raucht man den am Ende mit? Antwort: Zigarrenrollen ist wirklich eine Kunst – Sie sollten es selbst einmal probieren. Zum Beispiel gab es bei den letzten beiden Festivales del Habano in Havanna unter Anleitung eines Meister torcedors ein Seminar über Zigarrenrollen. Obwohl wir beste Tabake bekamen und auch alle Requisiten, wie sie in der Fabrik verwendet werden – Holzbrett, Messer (chaveta) etc. – waren doch die Ergebnisse eher mager. Sie haben recht, da war auch ein kleiner Tiegel Leim dabei: Dieser dient dazu, das Deckblatt zu fixieren und auch das kleine Käppchen beim Mundstück, das man – so kunstvoll es auch angebracht wird – wieder mit einem Cutter abschneidet. Das Innenleben der Zigarre – Einlage und Umblatt – wird rein durch die Kunst des torcedors und allenfalls einer Pressform zusammengehalten – bei der Dannemann Artist Line HBPR wird nicht einmal diese verwendet. Der Leim ist aus rein biologischen Stoffen – wie z.B. Gummiarabicum, das aus der Rinde verschiedener Akazienarten gewonnen wird – eine erhärtete, quellbare, wasserlösliche, pektinartige Substanz, die als Klebstoff und Bindemittel verwendet wird. Der Leim ist absolut unschädlich – Zigarrenrauch wird außerdem ohnehin nicht inhaliert. Aus den Urzeiten der Zigarre, wo der Leim angeblich einen leicht bitteren Geschmack aufwies, stammt der eher entbehrliche Brauch, die Zigarre vor dem Rauchen mit der Flamme die ganze Länge entlang „anzufackeln“. Das sollte den bitteren Geschmack wegbringen. Frage: In der letzten Ausgabe haben Sie erklärt, warum meist 25 Zigarren in einem Kistchen sind. Was heißt 8-9-8 – das habe ich auf einer schönen lackierten Kiste gesehen ? Antwort: Zigarren, wo „8 – 9 – 8“ am Kistchen steht, sind in drei Lagen verpackt. Unten 8, in der Mitte 9, oben wieder 8, das macht zusammen 25. Die Kistchen sind meist besonders schön, lackiert – englisch „varnished“ – wahre Cigarren Cabinets. Bekannt sind die Partagás 8-9-8 (spanisch – ocho – nuevo – ocho; sprich: otscho) – eine schöne, gehaltvolle Lonsdale (die Produktion einer Partagás 8-9-8 Gran Corona in einer unlackierten Kiste wurde eingestellt – auch die der Ramon Allones 8-9-8). Dafür glänzen viele andere nichtkubanische Edelmarken wie Arturo Fuente, Ashton, Cuesta Rey oder Macanudo mit 8-9-8 Cabinets. In Jamaica gibt es eine eigene 8-9-8 Collection in verschiedenen Formaten, die von Mike’s Cigars in Miami vertrieben wird. Zigarren-Autorität Vahé Gérard rät, Cabinets länger zu lagern, weil der Luftaustausch durch das lackierte Holz nicht so stark ist und gelegentlich zu lüften. In Kuba – und auch anderswo – werden die 8-9-8 Bündel in der Kiste von einem gelben Seidenband zusammengehalten. Rahel Wagner vom Tabaklädeli in Zürich hat sie fleißig gesammelt und daraus ein Kleid genäht – damit hat sie einmal sogar das Cover dieses Journals geziert. Frage: Ich rauche nun seit gut zehn Jahren Zigarren. Bisweilen war es mir eigentlich wichtiger, sie zu rauchen als sie zu studieren. Doch seit einiger Zeit und nach dem Durchforsten einiger Internetforen, welche meinen Informationsdurst nicht befriedigen konnten, beschäftigen mich immer mehr Fragen rund um das Thema Zigarre. Markus G., A-Altenberg Antwort: Das ist ja gleich ein ganzes Bündel an Fragen. Die Antwort fällt hoffentlich nicht zu kurz aus – aber wir starten in dieser Ausgabe, angeregt von Lesern, eine Serie „Tabakprovenienzen“, wo einiges beantwortet wird – z.B. dieses Mal über die Tabake der Dominikanischen Republik. Jede Provenienz hat gewisse sortenspezifische Geschmacksnoten. Sumatra schmeckt pfeffrig; Java erdig; Brasil würzig – aber es gibt natürlich jede Menge Ausnahmen. In einer „Aromascheibe“, zuletzt abgedruckt in diesem Journal in der Ausgabe 2/2002, habe ich versucht, die bekannten Aromen, die sich im Zigarrentabak finden, zusammenzufassen – und auch schlechte Geschmäcker und jene, die sich durch schlechte Lagerung ergeben. Hier wird Brasil mehr mit schokoladig-nussigen Noten assoziiert, Sumatra mehr mit floral-herbalen Noten. Das größte Geschmacksspektrum hat die Havanna – mit kleinen Einschränkungen Honduras, Nicaragua – es reicht von Edelholz, Kaffee-Noten bis ins fruchtig Blumige. |












